Es geht los…

23.Juli 2017- Troyes, Frankreich

Länger werdende Schatten kündigen den Abend an. Seit über einer Stunde stehen wir schon am Straßenrand und warten mit ausgestreckten Daumen auf ein Auto, das uns weiter Richtung Westen bringt.

Paul, ein guter Freund, hatte sich spontan entschieden, uns mit seinem alten Volvo bis hier her nach Frankreich zu begleiten. Von Troyes, einer Kleinstadt südöstlich von Paris, wollen wir weiter trampen… fünfhundert Kilometer noch bis nach Notre Dame des Landes, unserem ersten Etappenziel.
Warmer Abendwind weht uns durchs Gesicht, die Geräusche der vorbeifahrenden Autos verschwimmen allmählich zu einem monotonen Rauschen.
Die Ungeduld kann man uns mittlerweile bestimmt ansehen, denn die Aussicht auf eine Nacht in der von Fabriken und Industriehallen gesäumten Peripherie Troyes ist nicht gerade verlockend. Aber auch die letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Die intensiven Reisevorbereitungen, das Abschiednehmen von Menschen, Orten und Gewohnheiten sind noch lange nicht verdaut. Der Moment auf den wir uns seit über einem Jahr vorbereitet haben ist mit einem Mal zur Realität geworden…

Auf dem Weg nach Nantes…

Endlich hält jemand mit seinem Auto an und reißt uns aus unseren Gedanken. „Wo wollt ihr denn hin?“. Eine Minute später sitzen wir mit Francois und seinem großen Hund Oscar im Auto und rasen über die Autobahn. Endlich…Schnell kommen wir ins Gespräch und als er erfährt, dass wir noch keinen festen Schlafplatz haben, bietet er uns kurzerhand an, im Haus seiner Familie zu übernachten. Es ist schon dunkel als wir das Dorf von Francois erreichen. Trotzdem sind die Schemen der mittelalterlich anmutenden Häuser noch wage erkennbar. Gemütlich ist es hier. Nach einem kleinen gemeinsamen Abendessen, verabschiedet Francois sich mit einem heiteren „Bonne nuit“ und wir machen es uns auf der Schlafcouch im Wohnzimmer gemütlich.

Als der Duft von abendlicher Sommerluft durch die offene Terrassentür in das Zimmer dringt, müssen wir kurz über unsere Ungeduld am Nachmittag lachen und schlafen dann, voller Vorfreude auf das, was uns die nächsten Jahre erwarten wird, zufrieden ein.
Am nächsten Morgen stehen wir bereits um sieben Uhr am Straßenrand, um Nantes noch vor Beginn der Abenddämmerung zu erreichen. Nach kurzer Zeit hält ein alter Camper an. Die bunten
Farben auf der Außenlackierung lachen uns entgegen und die Fahrerin, eine Frau mit wasserstoffblonden Haar winkt uns zu. Wir steigen ein.

Mit diesem Gefährt kommen wir fast ans Ziel.

Mit durchschnittlich 50 km/h fahren wir gemächlich über die Landstraße Richtung Nantes. Dörfer mit alten Bauernhöfen, bunte Felder und Wiesen ziehen an uns vorbei.
Knapp zwanzig Kilometer vor unserem Zielort müssen wir nochmal das Auto wechseln. Wir nutzen die Pause für einen Supermarktbesuch, um unsere knurrenden Bäuche mit ein paar saftigen Pfirsichen, warmen Baguette und französischem Camembert zu beruhigen. Das abgemähte Fleckchen Wiese hinter dem Markt, bietet sich für unser kleines Picknick gut an.
Geschäftig fahren voll beladene Gabelstapler durch den Hinterhof an uns vorbei. Wir beobachten das bunte Treiben, als ein Mitarbeiter des Supermarkts plötzlich anhält und uns fragt, ob wir für unser Picknick denn auch ein paar kalte Getränke hätten? „Das Wasser hier!“ geben wir ihm zu verstehen und zeigen auf unsere auffüllbaren Trinkflaschen. Nach ein paar Minuten kommt er mit einer Tasche voll Eis, kaltem Bier, Limo und Wasserflaschen zurück. Lächelnd stellt er die Tasche auf die Wiese „Pour vous!“, und widmet sich wieder seiner Arbeit.

Das Picknick und die frischen Getränke haben uns gestärkt, wir fühlen uns frisch und lebendig und legen die letzten zwanzig Kilometer schnell zurück. Endlich erreichen wir unser erstes Ziel: das ZAD in Notre Dame des Landes.

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