Hafenleben und Straßenmusik in Las Palmas

01. Dezember, 2017 – Las Palmas, Kanaren

Unser Segelabenteuer hat vor einem Monat in Gibraltar begonnen. Dort hatten wir binnen zwei Tagen ein Segelboot gefunden und waren wenige Tage später schon auf Gran Canaria. Die zweite Etappe der Atlantiküberquerung zieht sich hingegen ein wenig länger hin. Wir sind immer noch in Las Palmas und warten, gemeinsam mit Jean Sam, Sabine und ihren Kindern – eine französische Familie, mit der wir weiter Richtung Kap Verde segeln werden – auf gute Winde. Das ist das spannende am Reisen ohne Flugzeug- die Natur gibt den Rhythmus vor, und wir müssen uns diesem Rhythmus anpassen. Windstille, Sturm, oder gutes Segelwetter- darauf haben wir keinen Einfluss. Und so warten wir am Hafen, die Wettervorhersage immer im Blick. Vielleicht können wir in ein paar Tagen los segeln, vielleicht müssen wir noch eine Woche warten.

Blick auf den Industriehafen von Las Palmas. Seit einem Monat warten wir schon auf ein Boot und die richtigen Winde.

Die lange Wartezeit wirkt sich andererseits auch negativ auf unsere Stimmungslage aus. Das macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn plötzlich regelmäßig kleine Auseinandersetzungen untereinander auftauchen, über Themen, für die es sich eigentlich nicht zu streiten lohnt.

Sehnsuchtsvoller Blick in die Ferne- seit Tagen ist die See ruhig und wir warten darauf, dass wir lossegeln können.

Auch wenn wir innerlich ungeduldig werden und froh sind, wenn es weiter geht, hat das Hafenleben und die Zeit hier auch ihre spannende Seite. Täglich begegnen wir neuen Gesichtern, Menschen mit Rucksäcken, die ein Boot suchen, das sie mit über den Atlantik nehmen wird. Sie wollen in die Karibik, um dort beim Wiederaufbau zu helfen, haben Projekte in Südamerika, Reisen um die Welt oder wollen einfach das Abenteuer „Atlantiküberquerung“ erleben.

 

Begegnungen am Hafen: Katarina und ihre Familie sind auf der Suche nach einem Boot, das sie mit über den Atlantik nimmt. Die vier reisen mit einem Tandem und zwei Fahrrädern um die Welt. Wie lange die Reise dauern wird, ist offen. Hier könnt ihr mehr über das Abenteuer der Familie erfahren: http://www.livepla.net/

Als wir vor ein paar Wochen am Hafen in Las Palmas angekommen sind, haben wir Emma kennengelernt. Sie will mit ihrem kleinen Boot „Caprice“ alleine über den Atlantik segeln. Knapp eine Woche nach unserer ersten Begegnung sind wir bei ihr „eingezogen“ und haben gemeinsam mit ihr verschiedene Dinge am Boot repariert, kleine Segeltrips um die Insel gemacht und im abendlichen Kerzenschein zusammen musiziert.

Letzte Reparaturarbeiten an Emma’s Segelboot „Caprice“. Bald will sie damit alleine den Atlantik überqueren.

Als wir dann die erste Rechnung der Hafengebühren vor uns liegen hatten, die mit knapp 60 Euro immerhin die Hälfte unseres monatlichen Budgets ausmacht, kam uns die Idee alle Instrumente zusammenzupacken, um an der Strandpromenade Musik zu machen. Jede einzelne Musiksession auf der Straße hat ihre eigene Magie, zum Beispiel der Tag an dem Ciske, Flo und zwei spanische Musiker sich zu uns gesellt haben:

 

Mehr als die Überraschung, das wir damit tatsächlich die Hafengebühr und Nahrungsmittel für zwei Wochen bezahlen konnten, bleiben vor allem die Erinnerungen an die freudigen Gesichter der Menschen, die wir mit unserer Musik berührt haben, die uns ein Lächeln geschenkt oder getanzt haben, als lebendige Bilder hängen.

Wir sind gespannt, wann es weitergehen wird und freuen uns darauf, das wir Südamerika schon bald ein Stück näher sein werden.

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