Aluantu – eine Gemeinschaft im wilden Patagonien

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Art: offene Gemeinschaft
Schwerpunkte: persönliches, spirituelles Wachstum, Leben in Gleichgewicht mit Natur und Umwelt, Leben und Organisation in Gemeinschaft
Umgebung: sehr abgelegenes ländliches Gebiet am See Rupanko, umgeben von Urwald und Vulkanen
Bewohner*Innen: Gemeinschaft besteht aus Freiwilligen aus aller Welt und Greg (Gründer)
Sprachen: hauptsächlich Englisch, auch Spanisch, Französisch, Deutsch, uvm.
Land: Chile, Patagonien, Lago Rupanko
Gäste willkommen? Ja
Besonderheit: Retreat Center (Lodge) weiter unten am See. Kurse und Workshops zum Thema spirituelle Persönlichkeitsentwicklung
Kontakt: Website: https://www.aluantu.org/
Workaway: https://www.workaway.info/579834582516-en.html

Die intensivsten Erfahrungen sind meist schwer mit Worten zu beschreiben, weil kein Wort diese Erfahrungen in ihrer Vollkommenheit wiedergeben kann. Und so ist es auch mit „Aluantu“ – dieser Gemeinschaft am Lago Rupanco in Chile….

…und wen wir es doch versuchen würden?

Lucy: „Das Paradies hat einen Namen: Aluantu. Ich hatte die schönste Erfahrung meines Lebens hier, ja etwas Transzendentes. (…) Die Liebe, das Lächeln, der Wald, die Diskussionen, die Lagerfeuer, das Lachen, die Musik, die Morgenkreise, der See, die Umarmungen, die Verabschiedungen – ich werde sie nie vergessen.“

Miriam: „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich sicher genug gefühlt, um mein Herz zu öffnen, verletzlich zu sein und mich selbst wirklich zu finden.(…)

Alec: I am still processing this experience 2 months after, and probably will be for a while. This was one of the best experiences of my life. (…) We had the basics; water, shelter, warmth, food, and on top of that a space that allowed you to be whoever you were, whoever you wanted to be which was most important and cherished by me. It was a complete safe zone for you to explore who it is you truly are and what it is that makes you, you. (…) Thank you thank you thank you! Blessings to all!

Die Rupanco Familie im Februar 2019
Aluantu- „bright shining sun“

Aluantu ist eine dynamische Gemeinschaft. Es gibt keine festen Mitglieder, die Gruppenzusammenstellung ändert sich ständig mit dem Kommen und Gehen von Voluntär*innen. Manche blieben für zwei Wochen, andere ein ganzen Jahr.

Als wir dort waren, bestand die Gruppe teilweise aus bis zu 60 Leuten. Wir haben gemeinsam in einer riesigen Scheune gewohnt. Im Erdgeschoss befindet sich die Werkstatt, ein Lagerraum und eine große Freifläche für Morgenkreise, Yoga und für alles, was einem sonst noch so einfällt. Vom Erdgeschoss aus führt eine Holztreppe in den ersten Stock wo der Aufenthaltsraum, die Kuschelecke, die Küche und ein paar „Büros“ untergebracht sind. Über eine kleine Leiter kommt man ins Dachgeschoss – das Schlafzimmer. Hier stehen dicht an dicht mehrere Hochbetten nebeneinander. Wer kein Platz mehr in einem der Betten findet, oder mehr Privatsphäre will, kann sein Zelt irgendwo im Wald oder auf den umliegenden Wiesen aufstellen.

Die Scheune, das Herzstück der Gemeinschaft steht auf einer Lichtung mitten in valdivianischem Urwald. Durch den magischen Wald mit knorrigen, jahrhunderte alten Bäumen, führt ein kleiner Weg hinunter zum See. Der See liegt eingebettet in ein beeindruckendes Panorama, mit Blick auf den Vulkan Osorno. Hier unten steht die Lodge, ein Zentrum wo Workshops, Retreats und Ayahuasca Zeremonien stattfinden. Die Lodge ist auch ein Teil von Aluanatu und wird von Greg, dem Gründer der Gemeinschaft, mit Hilfe von Voluntär*innen betrieben.

Scotty und ich vor der alten Scheune, dem „Barn“.
Das Wohnzimmer.
Die Küche.
Wie sieht ein typischer Tagesablauf in der Gemeinschaft aus?

Das tägliche Leben hatte eine gewisse Struktur, war aber trotzdem jeden Tag voll mit neuen Überraschungen. Die Freiwilligen arbeiten fünf Stunden am Tag für Greg, den Gründer von Aluantu. Greg selbst lebt mit seiner Lebensgefährtin in einem anderen Gebäude.

Der Tag begann um sieben Uhr morgens wenn uns die Klänge der Hangdrum aus den Betten holten. Nach und nach fanden sich alle zum gemeinsamen Frühstück ein. Das Frühstück (sowie alle Mahlzeiten am Tag) wurde von sich abwechselnden Kochteams zubereitet. Nach dem Frühstück versammelten wir uns alle im Erdgeschoss zum Morgenkreis.

Der Morgenkreis war ein wichtiges Ritual zur Stärkung und Organisation der Gemeinschaft. Dinge wurden angekündigt oder wichtigen Mitteilungen vorgetragen, danach wurden Liebesbriefchen vorgelesen, die oben im Wohnzimmer in einer „Love-Box“ gesammelt wurden. Auf kleinen Zetteln konnte jede/-r anonym Gefühle, Dank, oder Wertschätzung gegenüber einer Person ausgedrücken. Darauf folgten Gruppenspiele, gemeinsame Tänze oder lustige Aufgaben – Aktivitäten, die zur Gruppenbildung und gegenseitigen Kennenlernen beitrugen.
Ein Gedicht – selbst geschrieben oder zitiert – bildete meist den Abschluss der Morgenkreise. Danach wurden die zu erledigenden Aufgaben verteilt und Arbeitsgruppen gebildet.

 

Die Gruppe im Morgenkreis (Morning Circle)

Die täglich anfallende Arbeit umfasste Gartenarbeit, Konstruktion, Nahrungszubereitung, Malerei, PC- Arbeit, Imkerei, Gästebetreuen in der Lodge oder Holzhacken.
In den Wochen, als wir in Aluantu waren, hatten wir eine Menge mit der Gestaltung des Festivals zu tun, das von Marc, einem Gemeinschaftsmitglied, organisiert wurde. Ein Psytrance Festival mitten in dem magischen umliegenden Wald.

Um zwei Uhr Mittags endete die Arbeit und es gab Mittagessen. Das Essen in Aluantu ist vegetarisch. Eine der Visionen ist es, irgendwann genug Obst und Gemüse im Garten und auf dem Land anzubauen, um die Gemeinschaft damit versorgen zu können. Bis es soweit ist, werden die Lebensmittel einmal pro Woche von Greg in der nächsten Stadt eingekauft.

In der Nähe der alten Scheune finden wir im Wald versteckt eine Hütte, die wir gemeinsam renovieren..
Aus dem baufälligen, morchen Hüttchen…
…wird ein gemütlicher Rückzugsort, um zu mediteren oder sich einfach mal ein bisschen von dem Gemeinschaftsleben zurückzuziehen.
Mittagessen im Hof
Wie wird das Gemeinschaftsleben gestaltet?

Vor allem der Morgenkreis und die gemeinsamen Mahlzeiten waren eine der täglichen Gelegenheiten, wo fast alle Mitglieder zusammenkamen. Fast alle weil die Anwesenheit kein Muss war. Es wurde nicht erwartet, dass man ständig an allen Gemeinschaftsaktivitäten teilnimmt. Wer Zeit für sich brauchte, konnte sie sich nehmen wann immer er/sie es brauchte.

Einmal die Woche gab es ein Community-Health-Circle (Kreis für das Wohl der Gemeinschaft) und ein Sharing-Circle (Ein Kreis, wo persönliche Geschichten, Gefühle, Emotionen und Befindlichkeiten geteilt wurden).

Community-Health-Circle

Jeden Mittwoch kommt die Gemeinschaft  in einem Kreis zusammen. So konnten wir Anliegen teilen, neue Projekte vorschlagen, Lösungen für Probleme finden und Entscheidungen nach dem Konsensprinzip treffen. Die Anliegen wurden während der Woche auf einem Blatt gesammelt, das im Gemeinschaftsraum aushing. Hier können alle Mitglieder einfach das jeweilige Anliegen in Stichworten aufschreiben. Diese werden dann im Kreis gemeinsam durchgegangen. Eine freiwillige (jede Woche wechselnde) Person ist die (oder der) „Moderator*in“, liest die Anliegen vor, koordiniert die Wortmeldungen und achtet auf eine respektvolle Kommunikation. Entscheidungen werden im Konsensprinzip getroffen. Das heißt, um eine Entscheidung durchzusetzen, müssen alle Gruppenmitglieder einverstanden sein. Ist dies nicht der Fall, wird weiter nach Lösungen gesucht, bis alle in der Gruppe diesmal zustimmen. Der oder die Moderator*in fragt also immer „ Gibt es jemanden, der oder die damit NICHT einverstanden ist?“ Wenn es keine Gegenstimme mehr gibt, wird die Entscheidung so in die Praxis umgesetzt.

Sharing-Circle

Dieser Kreis ist ein emotionales und spirituelles Zusammenkommen. Hier trafen wir uns um unsere Gefühle, persönlich Geschichten, Erfahrungen und/oder emotionale Befindlichkeiten zu teilen. Der sprechenden Person wurde mit voller Aufmerksamkeit und Respekt zugehört. Das Gesagte musste weder kommentiert, noch bewertet oder analysiert werden. In vielen heutigen Lebenswelten findet das eigentlich Selbstverständliche, der gegenseitig vertrauensvolle Umgang und das selbtlose Zuhören leider nur wenig Platz. Für viele war dieser Sharing-Circle eine einmalige, tiefe, emotionale und spirituelle Erfahrung, die transformierendes Potential hatte.

 

Einer der wöchentlich stattfindenden Community Health Circle
Respektvoller Umgang Miteinander und gelebte Liebe

Es ist faszinierend wie viele Dimensionen von Liebe es geben kann, wenn wir uns einmal von dem traditionellen Gedanken verabschieden, das Liebe oft nur mit Paarbeziehungen zu tun hat. Das selbe gilt für Umarmungen, körperliche Nähe und Zärtlichkeiten , Kuscheln, intensiven Augenkontakt und Blicke.

Liebe, das ist nicht nur ein Gefühl im Bauch, das auf eine spezielle Person bezogen und mit gewissen Erwartungen verknüpft ist. Liebe kann (und das war für viele in Aluantu eine neue und überwältigende Erfahrung) mit so vielen Menschen geteilt und gelebt werden. Nein, wir hatten nicht alle miteinander Sex und darum geht es auch gar nicht. Sondern wir sind uns alle mit einer tiefen Wertschätzung begegnet, haben Umarmungen geteilt, die manchmal mehrere Minuten gedauert haben, sind mit 10 Leuten gemeinsam auf einer kleinen Matratze eingeschlafen, haben uns im Vorbeigehen über die Arme gestreichelt, gemeinsam gelacht und geweint.

Diese Art von Liebe betrifft alle Bereiche des Seins: Die Art zu Sprechen, miteinander zu Kommunizieren, alltägliche Aufgaben zu erfüllen, das Zusammenleben zu gestalten und vor allem: Jede*n so zu akzeptieren wie er oder sie ist. Es gibt hier keinen Platz für Diskriminierung oder Ausgrenzung, es spielt keine Rolle ob jemand Schwarz oder Weiß, Schön oder Hässlich, Dick oder Dünn, Beharrt oder Unbehaart, Religiös oder Atheistisch, Schwul, Lesbisch, Trans oder Queer ist.

Es interessiert hier niemanden wo du her kommst, wie viel Geld du hast, was dein Beziehungsstatus ist oder welchen Beruf du hast. Liebe, die universell ist, sieht über all das hinweg und stellt diese gesellschaftlichen Kategorien in den Schatten. Sie werden hinfällig und uninteressant. Denn wenn all diese Kategorien keine Rolle mehr spielen, steht einfach nur der Mensch an Sich im Fokus. Und das war hier in Aluantu alles was zählt.

 

Und wie wurde die Freizeit gestaltet?

Es gab unendlich viele Möglichkeiten, sich dem leben des Lebens zu widmen. Alleine, oder gemeinsam schwimmen, musizieren, massieren, diskutieren, jonglieren, spazieren, am Lagerfeuer sitzen, Haschisch-Kakako trinken, tanzen, lachen, kleine Holzhütten bauen, den Wald erkunden, Gedichte schreiben, Geschichten erfinden, im Garten arbeiten, schreiben, Kanu fahren, Seifen herstellen, in heißen Quellen baden, den Hühnern zugucken, meditieren, kuscheln, weinen, lachen, sich im Wald verstecken und Leute erschrecken, kochen, Mate-trinken, philosophieren, die Nähe des/der Anderen spüren, fühlen, SEIN.

Ausflug zu den heißen Quellen
Was noch?

Greg, der Gründer der Gemeinschaft, hat lange gemeinsam mit den Freiwilligen im Barn gelebt, bis er sich ein kleines Häuschen neben dem Retreat-Zentrum am See gebaut hat. Im Retreat Zentrum finden, wie oben schon erwähnt, Yogakures, Lehrgänge oder Retreats statt. Greg finanziert die Gemeinschaft mit den Geldern der Retreats und durch die Einnahmen von Mietshäusern, die auf seinem großen Grundstück verteilt stehen.

Teilnehmer*innen beim „Spiral of Light“, einem Retreat in der Lodge
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