EZLN – Ejército Zapatista de Liberación Nacional 

(Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung)

Art: Autonome zapatistische Rebellengemeinden
Schwerpunkte: Kampf für Autonomie und gegen Unterdrückung, Landnahme, kapitalistische & patriarchale Verhältnisse und Neoliberalismus
Umgebung: Ländlich
Sprachen: Spanisch, Tojolabal, Tseltal, Mam, Tsotsil, Chol, Zoque de Chiapas
Gründungsjahr: 1994
Land: Mexiko

Webseite der EZLN auf der regelmäßig Aufrufe, Ankündigen und Mitteilungen veröffentlicht werden: ENLACE ZAPATISTA

Verfolgt durch die Macht und Lüge des Befehlsgebers – damals wie heute – blieben wir unbeirrbar darin, etwas Neues zu schaffen.

Wir machten Fehler und begingen Irrtümer, gewiss.

Und sicherlich werden wir auf unserem langen Weg noch mehr begehen.

Niemals jedoch haben wir uns ergeben.
Niemals uns verkauft.
Niemals nachgelassen

Wir suchten alle möglichen Wege, damit Wort, Dialog und Übereinkunft die Wege seien, um Frieden mit Gerechtigkeit und Würde zu schaffen.

Wir haben ein Projekt des Lebens – wie es jegliche Person mit ehrlichem Herzen sehen kann.

In unseren Gemeinschaften und Gemeinden gedeihen Schulen und Gesundheitskliniken.

Im Kollektiv wird das Land bearbeitet.

Im Kollektiv unterstützen wir uns.

Nun, wir sind eine Comunidad, eine Gemeinschaft.

Gemeinschaft der Gemeinschaften.

Die zapatistischen Frauen haben ihre eigene Stimme und ihren eigenen Weg.

Und ihr Schicksal ist nicht das des gewalttätigen Tods, des Verschwunden gemacht werden, der Demütigung.

Die zapatistischen Kinder und Jugendlichen haben den Gesundheits- und Bildungsbereich und
mehrere andere Optionen zum Lernen, sich Ausbilden und zum sich Vergnügen.

Wir erhalten und verteidigen unser Sprache, Kultur, unsere Weise.

Und setzen weiterhin beharrlich unsere Verpflichtung als Pueblos (Volk), als Bewahrer der Madre tierra (Mutter Erde) um.“

Aus der Rede zum 26. Jahrestag der EZLN am 1. Januar 2020

Wer sind die EZLN oder die Zapatistas?

Preguntando caminamos“ Fragend schreiten wir voran

Die Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN ) oder die „Zapatistas“ ist eine seit 26 Jahren aus überwiegend Indigenas bestehende Organisation, die sich in autonomen Gemeinden organisiert und gegen Unterdrückung, Landraub, Neoliberalismus, kapitalistische & patriarchale Verhältnisse kämpft.

Die Zapatistas wollen nicht die Macht im Staat übernehmen, sondern fordern die Anerkennung ihrer Rechte und einen Selbstverwaltungsstatus innerhalb Mexikos für ihre Gebiete.

 

Die EZLN wurde weltweit im Jahr 1994 bekannt, als sie mehrere Städte in Chiapas besetzt und sich gegen die Regierung erhoben hat. „ […] Wir (Indigene) hatten genug von so viel Schlechtem das von den Mächtigen ausging, die uns nur erniedrigten, uns beraubten, uns einsperrten und uns töteten und davon dass niemand etwas tat oder sagte. Deshalb sagten wir „Ya Basta! – Es reicht!“, das heißt, dass wir nicht länger zulassen, dass sie uns verachten und schlechter behandeln als Tiere. Und dann sagten wir auch, dass wir Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle fordern, hier in unserem Land Mexiko und in anderen Ländern der Welt!“

Was Bedeutet das Wort „Zapatistas“ ?

„Zapata vive, la lucha sigue!“ Zapata lebt, der Kampf geht weiter!

 

Die Bewegung ist nach Emiliano Zapata benannt, der in der mexikanischen Revolution 1910 für „Land und Freiheit“ („Tierra y Libertad“), eine konsequente Agrarreform und Autonomie der Gemeinden gekämpft hat.
Das Motto „ Das Land denen, die es bearbeiten!“ ist auch heute noch aktuell.

Was wollen die Zapatistas?

„Die Machtergreifung? Nein, nur etwas Schwierigeres: eine neue Welt “ – Subcomandante Marcos

Die zentralen Forderungen sind: Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Land, Arbeit, Gesundheit, Bildung und Frieden – also die Verteidigung kollektiver und individueller Rechte, die den originalen Völkern Mexikos in der Vergangenheit verweigert wurden.

Wieso?

Die originalen Völker Lateinamerikas sind seit der spanischen Invasion, also seit mehr als 500 Jahren, diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrückt worden. Während der Kolonialzeit wurden sie von ihren Ländereien vertrieben, als Arbeiter*innen versklavt und ausgebeutet oder getötet. Heute sind es die neoliberalen Strukturen, die die Existenz der Völker bedroht.

In Mexiko leben mehr als 68 ethnisch-kulturelle Gruppen, mit jeweils eigenen Sprachen und Traditionen, die sich als „indigene Bevölkerung“ verstehen.
Der Begriff „Indigen“ fasst jene Menschen zusammen, die bereits vor der Eroberung durch europäische Einwanderer in einem Gebiet lebten, eine enge Beziehung zur ihrem Territorium haben und heute noch weitestgehend ihren Traditionen (z.B. Landwirtschaft, Spiritualität, Gemeinschaftsleben) folgen.

Für die indigenen Völker ist die Erde („madre tierra“ – Mutter Erde oder Pachamama) das Zentrum des Universums, das Herz ihrer Kultur, der Ursprung ihrer Identität. Der Kern dieser tiefen Bindung ist eine Wahrnehmung, ein Bewusstsein, dass alles, was Leben hat (Berge, Flüsse, Himmel, Tiere, Pflanzen, Insekten, Felsen und Menschen), untrennbar miteinander verbunden ist. Die materielle und die geistige Welt sind in einem komplexen Netzwerk verwoben, alle Lebewesen sind von einer heiligen Bedeutung durchdrungen.

Indigene Völker betrachten Land nicht als bloße wirtschaftliche Ressource. Ihre Ländereien sind buchstäblich eine Quelle des Lebens, und ihre unterschiedlichen Lebensstile werden in Bezug auf die Umgebung entwickelt und definiert.

Da viele indigene Völker in ressourcenreichen Gebieten der Erde leben, also in Gebieten mit hohem Uran-, Erdöl-, Gold- und Kohlevorkommen steht ihre Weltanschauung (span.: Cosmovision) im ständigen Konflikt mit den Interessen der industrialisierten Welt die nach „Fortschritt“ und „Wachstum“ strebt.

Bergbau, Erdölförderung, Holzraubbau, Staudämme und Großprojekte zerstören das natürliche Gleichgewicht, verschmutzen Flüsse und Verdrängen die indigene Bevölkerung aus ihrem Lebensraum. Jene, die sich dagegen wehren, waren und sind starken Repressionen ausgesetzt.

Gegen die Unterdrückung, Marginalisierung, Negierung, Ausbeutung, gegen das Töten und Zerstören, gegen die Ungerechtigkeit, die Dominanz der Reichen und des Kapitals und für Freiheit, Autonomie und Gerechtigkeit bildete sich die EZLN!

„Der Kapitalismus nimmt in seiner gegenwärtigen neoliberalen Phase zunehmend monströse Formen an und erklärt einen offenen Krieg gegen die Menschheit und gegen die Erde, unsere Mutter. 

Der Kapitalismus bereichert sich durch Raub, er raubt anderen was er will. Zum Beispiel Land und natürliche Ressourcen.

Und zusätzlich zu Ausbeutung und Benachteiligung unterdrückt der Kapitalismus, weil er diejenigen einsperrt und tötet, die gegen die Ungerechtigkeit rebellieren. Aber heute sagen wir:

ES REICHT!! (HOY DECIMOS ¡BASTA!“)“

„Willkommen auf Zapatistischem Land. Hier regiert das Volk. Und der Staat gehorcht.“

Wie ist die Organisation aufgebaut?

Die Zapatistas bauen eigene Strukturen in den Bereichen Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Rechtsprechung und Ökonomie auf. Sie lehnen jegliche Annahme von Regierungsgeldern ab, um nicht in Abhängigkeitsverhältnisse von der Regierung zu geraten.

Die Organisation besteht aus:

  • autonom und demokratisch organisierten zapatistischen Gemeinden.
  • einem politisch-militärisch Zweig (EZLN)

 

Autonom und demokratisch organisierte Gemeinden

Die Zapatistas leben in ruralen Gemeinschaften, die überwiegend im Bergland des mexikanischen Bundesstaates Chiapas lokalisiert sind. Die Gemeinschaften sind Teil der insgesamt 31 autonom regierten Landkreise (municipios autónomos MAREZ ). Diese autonom regierten Landkreise sind den 12 Verwaltungszentren „Caracoles“ (deutsch:„Schneckenhäuser“ )zugeordnet.

(Anmerkung: Die Zapatistas haben seit August 2019 ihren Einflussbereich ausgeweitet. Ursprünglich waren es 5 Caracoles und 27 municipios autónomos)

Die Caracolos sind die Organisationszentren der zapatistischen Autonomen Gemeinden und fungieren als Kommunikations- und Logistikzentren der jeweiligen Region. Oft gibt es hier eine Infrastruktur für größere Veranstaltungen und Raum für den Austausch mit Besucher *innen. Darüber hinaus werden hier auch kollektiv betriebene Läden, Werkstätten, Kultureinrichtungen und vereinzelt auch weiterführende Schulen und Krankenstationen betrieben. In den Caracoles kommt auch die Junta de buen gobierno („Rat der guten Regierung“) zusammen.

Die Juntas de buen gobierno bestehen aus gewählten Vertreter*innen der zapatistischen Autonomen Gemeinden. In den jeweiligen Vollversammlungen werden Verantwortliche für unterschiedliche Bereiche (Gesundheit, Bildung, Produktion, Agrarökologie, etc.) gewählt.

Alle Delegierten bekommen die Stimme nur geliehen und sind jederzeit abwählbar. Zudem rotieren alle Amtsträger*innen regelmäßig, damit möglichst viele Personen Kenntnis von der Selbstverwaltung bekommen und der Korruption und Amtsmissbrauch entgegengewirkt wird. “So organisierten sich die Völker, um zu regieren und sich selbst zu regieren, und um stärker zu werden. So ist die autonome Regierung nicht etwa eine Erfindung der EZLN, sondern sie ist aus mehreren Jahrhunderten indigenen Widerstands und aus der zapatistischen Erfahrung selbst gewachsen und ist wie eine Selbstregierung der Gemeinden. Das heißt, es kommt keiner von draußen und regiert, sondern die Völker entscheiden selbst unter sich wer regiert und wie regiert wird.“

Die Basis wird in alle Entscheidungen einbezogen und die Delegierten führen aus, was die Basis entscheidet. Dieses Prinzip wird als „gehorchendes Befehlen“ (Spanisch: „mandar obediciendo“) bezeichnet. “ […] und wenn der Regierende nicht gehorcht, wird er abgesetzt. Das heißt, wenn der, der regiert, dem Volk nicht gehorcht, wird er als Autorität abgesetzt und jemand anders übernimmt.“

Seit 2003 strebt die EZLN danach, der zivilen Basis immer mehr Verantwortung zu übertragen und die militärische Struktur, die nach wie vor für die Sicherheit der Basisgemeinden zuständig ist, von den zivilen Verwaltungsstrukturen abzukoppeln.

Der militärische Kern der Organisation ist zusammengesetzt aus
  • milicianos (Milizionäre), Kleinbauern, die weiter auf ihren Feldern arbeiten und im Bedarfsfall mobilisierbar sind.
  • insurgentes („Aufständische“).
  • Unterstützt und getragen wird diese Struktur von der base de apoyo (der zivilen Unterstützungsbasis)
  • Das oberste Entscheidungsgremium der EZLN, die „Kommandantur“ (CCRI-CG – Geheime revolutionäre indigene Komitees – Generalkommandantur), besteht aus Vertretern der Dorfgemeinschaften. Der Frauenanteil der zapatistischen Armee beträgt ungefähr ein Drittel.

Die EZLN wird nach wie vor bedroht und immer wieder angegriffen, einerseits von rechtsgerichteten Paramilitärs, denen die EZLN Verbindungen zum Militär und zur Regierung nachsagt, welche in der Vergangenheit auch belegt wurden, sowie von der Regierung selbst, aber auch von noch 1994 alliierten Bauernorganisationen, mit denen sich die zapatistischen Gemeinden inzwischen um ehemals gemeinsam besetztes Land streiten.

EZLN und die Frauen

Das revolutionäre Frauenrecht der EZLN von 1993

Frauen,

  1. ungeachtet ihrer Rasse, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder ihrer politischen Zugehörigkeit, haben das Recht, an dem von ihrem Willen und ihrer Fähigkeit bestimmten Ort und Grad am revolutionären Kampf teilzunehmen.
  2. haben das Recht zu arbeiten und ein angemessenes Gehalt zu erhalten.
  3. haben das Recht zu entscheiden, wie viele Kinder sie haben und betreuen dürfen.
  4. haben das Recht, an Gemeinschaftsangelegenheiten teilzunehmen und Verantwortung zu übernehmen, wenn sie frei und demokratisch gewählt werden.
  5. haben das Recht, sich vorrangig um ihre Gesundheit und Ernährung zu kümmern.
  6. haben das Recht auf Bildung.
  7.  haben das Recht, ihren Partner zu wählen und sich nicht zwingen zu lassen, zu heiraten.
  8. Keine Frau darf von Verwandten oder Fremden geschlagen oder körperlich misshandelt werden. Verstöße gegen versuchte Vergewaltigungen oder Verstöße werden streng bestraft.
  9. können Führungspositionen in der Organisation innehaben und einen militärischen Abschluss in den revolutionären Streitkräften haben.
  10. Frauen haben alle Rechte und Pflichten, die in den revolutionären Gesetzen und Verordnungen angegeben sind.

In dem Befreiungskampf der EZLN spiet die Gleichstellung der Geschlechter und die Anerkennung der Rechte von Frauen eine große Rolle.

 

Geschichte

“Es ist nicht notwendig die Welt zu erobern. Es reicht, sie neu zu schaffen. Heute. Durch uns” – Subcomandante Marcos, EZLN

 

17 November 1983 eine sechsköpfigen Gruppe gründet im Lakandonischen Regenwald von Chiapas (Mexiko) die EZLN

1 Januar 1994 Am selben Tag, als das neoliberale Freihandelsabkommen NAFTA unterzeichnet wird tritt die EZLN an die Öffentlichkeit und besetzt sieben Städte in südlichen Bundesstaat Chiapas.

“Dann bereiteten wir uns gut vor mit der Politik und den Waffen, und plötzlich, als die Reichen das Neue Jahr feierten, überraschten wie sie in ihre Städten, die wir einfach einnahmen, und sagten allen, dass wir hier sind, dass sie uns zur Kenntnis nehmen müssen.“

Mit der Besetzung mehrere Städte im Süden Mexikos beginnt eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen der EZLN und dem mexikanischen Militär.

„Die Reichen waren ganz schön erschrocken und schickten uns ihre großen Armeen, um uns zu vernichten, wie sie es immer machen, wenn die Ausgebeuteten rebellieren, sie schicken ihre Armee, um alle zu vernichten. Aber sie konnten uns nicht vernichten, weil wir uns vor dem Krieg sehr gut vorbereitet hatten und in unseren Bergen stark geworden waren“

Zwölf Tage dauerte der Kampf , bis beide Seiten schließlich die Waffen niederlegten und die EZLN den friedlichen Weg des Widerstandes in Form des Wortes und der Aktion wählt . Trotz des Waffenstillstands kommt es von Seiten der Regierung in den darauffolgenden Monaten jedoch weiterhin zu Angriffen.

“Und schließlich sagten die Regierungen, dass sie sich gut benehmen würden, dass sie zu einem Dialog und zu Vereinbarungen bereit seien und diese erfüllen würden.Aber es stellte sich heraus, dass die schlechten Regierungen kein gutes Abkommen wollten, sondern dass es nur eine Täuschung von ihnen war zu sagen, dass wir reden und eine Vereinbarung treffen sollten, und dass sie inzwischen ihre Angriffe vorbereiteten, um uns ein für allemal auszuschalten. Und so griffen sie uns mehrmals an, aber sie besiegten uns nicht, denn wir leisteten Widerstand und viele Menschen auf der ganzen Welt mobilisierten sich.“

Februar 1996 Regierung und EZLN unterzeichnen das „Abkommen von San Andres“. In dem Ankommen wird festgelegt, dass die Rechte und die Kultur der indigenen Völker offiziell anerkannt und in der Verfassung verankert werden sollten. Die Versprechungen blieben nicht nur unerfüllt sondern es folgten weiter Offensiven gegen zahlreiche indigene Bewegungen, wie zum Beispiel die skrupellosen Ermordung von 45 Männern, Frauen und Kindern der ACTEAL- Gemeinschaft, die während einer Messe von Paramilitärs massakriert wurden.

„Dieses schlimme Verbrechen kann nicht leicht vergessen werden und zeigt, wie die schlechten Regierungen in ihrem Herzen nicht zögern, diejenigen, die sich gegen die Ungerechtigkeiten auflehnen, anzugreifen und zu töten. Und während all das geschah, versuchten wir Zapatistas, die Erfüllung der Vereinbarungen von San Andrés zu erreichen, und leisteten in den Bergen des mexikanischen Südostens Widerstand.“

In den Jahren 1996 und 1997 organisiert die EZLN „intergalaktische Treffen“, um sich mit Menschen und Bewegungen der ganzen Welt zu verknüpfen.

„Und dann begannen wir, mit anderen Indiovölkern Mexikos und ihren Organisationen zu sprechen, und wir vereinbarten mit ihnen, dass wir gemeinsam für die gleiche Sache kämpfen wollten, nämlich für die Anerkennung der Rechte und Kultur der Indígenas. Dabei unterstützten uns auch viele Menschen aus der ganzen Welt…(..)
Wir führten auch internationale Treffen durch, das heißt wir trafen mit Menschen aus Amerika und aus Asien und aus Europa und aus Afrika und aus Ozeanien, um mit ihnen zu sprechen, und wir lernten ihre Kämpfe und ihre Art kennen, und wir nannten das „intergalaktische“ Treffen, um witzig zu sein und weil wir auch die von anderen Planeten eingeladen hatten, aber wie es scheint, ist von denen niemand gekommen, und wenn doch, dann haben sie das nicht klar gesagt.“

Zwischen 1997 und 2001 mobilisiert die EZLN zu mehreren Märschen ( „Der Marsch der 1111“ und “Marsch für die indigene Würde”) nach Mexiko Stadt und forderte die Regierung auf , die Vereinbarungen von San Andres endlich umzusetzen. Doch

„ da sahen wir, dass Dialog und Verhandlung mit den schlechten Regierungen Mexikos umsonst gewesen waren. Das heißt, dass es nichts bringt, mit den Politikern zu sprechen, denn weder ihr Herz noch ihr Wort ist ehrlich. Wir sahen, dass ihnen das Blut, der Tod, das Leid, die Mobilisierungen, die Befragungen, die Anstrengungen, die nationalen und internationalen Erklärungen, die Treffen, die Vereinbarungen, die Unterzeichnungen, die Verpflichtungen egal waren.“

Im Jahr 2003 entschließt die EZLN kurzerhand, allein und von ihrer Seite die Vereinbarungen ohne der Zustimmung der Regierenden zu erfüllen und gründet die ersten „Caracoles

„ Nun, also begannen wir, die rebellischen autonomen Zapatista-Bezirke aufzubauen. So organisierten sich die Völker, um zu regieren und sich selbst zu regieren, und um stärker zu werden“

Juni 2005 Mit der Veröffentlichung der „Sechsten Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald“ (Sexta Declaración de la Selva Lacandona ) wird die antikapitalistische „Andere Kampagne“ („La otra campaña“) angeregt.
Die „Andere Kampagne“ soll zu einer außerparlamentarischen Massenbewegung „von unten und für unten“ (EZLN) wachsen, die die marginalisierten Bevölkerungsgruppen in Mexiko zusammenbringt, um schließlich eine neue Verfassung für das Land zu erarbeiten und durchzusetzen. Dabei wird die Übernahme der Staatsmacht strikt abgelehnt

“Weltweit werden wir uns stärker mit den Widerstandskämpfen gegen den Neoliberalismus und für die Menschlichkeit verbrüdern. Wir werden diejenigen suchen und finden, die diesen Boden und diesen Himmel so sehr lieben wie wir. Wir kämpfen für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für jene, denen sie verweigert werden. Wir kämpfen für eine andere Politik, für ein linkes Programm und eine neue Verfassung. Wir laden die Indígenas, Arbeiter, Campesinos, Lehrer, Studenten, Hausfrauen, Nachbarn, Kleineigentümer, Kleinhändler, Kleinunternehmer, Pensionäre, Behinderte, Glaubensmänner und -frauen, Wissenschaftler, Künstler, Intellektuelle, Jugendliche, Frauen, alte Menschen, Homosexuelle und Lesben, Jungen und Mädchen, dazu ein, sich auf individuelle oder kollektive Weise direkt mit den Zapatisten an dieser NATIONALEN KAMPAGNE zu beteiligen, um eine andere Form des Politikmachens zu schaffen, für ein nationales und linkes Kampfprogramm, und für eine neue Verfassung.“

Die EZLN Heute

In der mexikanischen Bevölkerung hält sich nach intensiver Propaganda der mexikanischen Regierung das Gerücht, die EZLN gäbe es nicht mehr oder sie würde schwächer werden. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nach einer längeren Phase der „Stille“ – die mit interner Umstrukturierung zu tun hatte – veröffentlichte die EZLN am am 17. August 2019 ein umfangreiches Kommuniqué mit dem Titel Wir durchbrechen erneut die Umzingelung” in dem sie die Expansion ihres Operationsgebietes bekannt gaben. Außerdem kündigten sie darin verschiedene Veranstaltungen und Treffen, wie das „Forum zur Verteidigung unserer Mutter Erde“ und das „zweite internationale Treffen der Frauen die kämpfen“ an.

„Wir wissen auch, dass Rebellion verboten ist, so wie Würde und Wut verboten sind. Aber auf der ganzen Welt gibt es in den vergessensten und verachtetsten Winkeln Menschen, die Widerstand leisten und nicht aufgeben, sich nicht verkaufen lassen und nicht nachgeben. Sie haben viele Farben, viele Flaggen, viele Sprachen und gigantisch ist ihr Widerstand und ihre Rebellion.
Die Herrschenden bauen Mauern, Grenzen und Zäune, um zu versuchen, das einzudämmen, was sie für ein schlechtes Beispiel halten. Aber sie können es nicht tun, weil Würde, Mut, Wut, Rebellion nicht aufgehalten oder eingesperrt werden können. Selbst wenn sie sich hinter ihren Mauern, ihren Grenzen, ihren Zäunen, ihren Armeen und ihrer Polizei, ihren Gesetzen und Verordnungen verstecken, wird diese Rebellion sie früher oder später um Rechenschaft bitten.
Wir wissen, dass unsere Freiheit nur das Werk von uns selbst sein wird, den pueblos originarios. Mit dem neuen Präsident in Mexiko gingen die Verfolgung und der Tod weiter: In nur wenigen Monaten wurden ein Dutzend soziale Kämpfer, umgebracht (..), Megaprojekte zerstören weiterhin die Natur und unser Blut, das Blut der originalen Völker wird weiterhin in Profit verwandelt.
Nach Jahren der stillen Arbeit, trotz der Belagerung, trotz der Lügenkampagnen, trotz der Diffamierungen, trotz der Militärpatrouillen, trotz der Nationalgarde, trotz der als soziale Programme getarnten Aufstandsbekämpfungskampagnen, trotz des Vergessens und der Verachtung sind wir gewachsen und stärker geworden!“

„Todo para todos, nada para nosotros!“ – Alles für alle, nichts für uns!

Mehr zum Thema

Enlacezapatista – Hier werden alle wichtigen Kommuniques und Termine zu Veranstaltungen von der EZLN veröffentlicht (Überwiegend auf Spanisch- aber es gibt teilweise auch deutsche Übersetzungen)

CEDOZ –Zentrum für Dokumentation über den Zapatismus. Sammlung von Texten, Dokumenten und Links zur EZLN

Das Café Libertad Kollektiv –  Unterstützt durch den Verkauf von Kaffee die Autonomie der zapatistischen und indigenen Gemeinden und fördert die Idee des solidarischen Handels und selbstorganisierter Arbeit.

Aroma Zapatista–  kauft und importiert den Rohkaffe direkt von den zapatistischen Gemeinden. Außerdem fließt ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des zapatistischen Kaffees nach Chiapas zurück, um den Aufbau der zapatistischen, selbstverwalteten Strukturen zu unterstützen

Ya-basta Netzwerk  Hintergründe, Termine, Kontakte und Links rund um das Thema emanzipatorischer Widerstand lokal und global und zapatistische Rebellion

Radio Zapatista – Radio Zapatista ist ein Kollektiv freier, autonomer, alternativer Medien. (English / Spanisch)

CAREA – unterstützen Menschenrechtsverteidiger*innen und von Gewalt bedrohte Menschen in Konfliktregionen in Guatemala und Mexiko durch internationale Begleitarbeit und Menschenrechtsbeobachtung

Centro de Derechos Humanos Frayba- Begleiten, dokumentieren und verfolgen Menschenrechtsverletzungen im Bundesstaat Chiapas, insbesondere im indigenen Gebiet, mit besonderem Schwerpunkt auf den Themen außergerichtliche Hinrichtungen, Folter, willkürliche Inhaftierungen, Verschwindenlassen, Vertreibung, Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger*innen und Verletzungen des Rechts auf Land und Territorium der indigenen Völker.

chiapas.eu – das große Newsportal zur Menschenrechtssituation in Chiapas und ganz Mexikos. News, Videos, Filme, Bücher, Veranstaltungen, Downloads, Bildergalerien, Screensaver, Flyermaterialien und mehr.

anarchismus.at – Sammlung verschiedener Texte und Hintergrundinfosn zur EZLN

graswurzel.net- Artikel zum 20. Jahrestag der EZLN

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